Mein altes Hamburg

Andreas Pfeiffer

22587 Dockenhuden/Elbe 

Thomas Selle

*23.03.1599 Zörbig/ Bielefeld  † 2.7.1663 Hamburg

Der 1641 zum Kantor am Johanneum und Musikdirektor der vier Hauptkirchen berufene Thomas Selle stammte aus Zörbig bei Bitterfeld, wo er am 23. März 1599 geboren worden war. Er ließ sich 1622 an der Universität Leipzig
immatrikulieren und war dort möglicherweise auch Schüler des Thomaskantors Johann Hermann Schein. Aber der Aufenthalt in Leipzig war nur kurz; schon 1624 war Selle Lehrer in Heide (Holstein), Rektor und Leiter der Kirchenmusik in Wesselburen von 1625 bis 1634 und von 1634 bis 1641 Kantor in Itzehoe. In sein Hamburger Amt wurde er am 12. August 1641 eingeführt. Das Amt des Kantors (Musiklehrer) am Johanneum bedeutete zugleich auch die
Verpflichtung, für die Musik in den Hauptkirchen zu sorgen, weswegen der offizielle Titel lautete: „Cantor Scholaejohannei et Chori Musici Hamburgensis Director“.
Weit stärker als seine Vorgänger sorgte Selle für eine Vergrößerung des Vokal- und Instrumentalensembles, die es ihm erlaubte, auch große, reichbesetzte Kompositionen aufzuführen. Das Choralkonzert „Nun Lob, mein Seel, den Herren“, das er zur Einweihung der Großen St. Michaeliskirche 1661 komponierte, ist für 20 Vokal- und Instrumentalstimmen zu vier Chören geschrieben.

Für seine 1643 entstandene Johannespassion verlangt Selle an Instrumenten: 2 Violinen, 2 Violen, 2 Blockflötèn, 2 Lauten, 2 Pandoren, 2 Cornetti, 2 Trombonen und 2 Fagotte (oder Gamben).
Thomas Selle, in seinen Hamburger Jahren befreundet mit den hier wirkenden Dichtern Johann Rist („O Ewigkeit, du Donnerwort“) und Georg Neumark („Wer nur den lieben Gott läßt walten“) und den Musikern Johann Schop,
Hermann Scheidemann und Matthias Weckmann, hat ein bedeutendes und umfangreiches Werk hinterlassen, das zum größten Teil erhaltengeblieben ist. Seine ersten
Kompositionen- "Concertatio Castalidum“ und , ,Deliciae pastorum Arcadiae“ - wurden schon 1624 in Hamburg gedruckt, dreistimmige Vokalsätze. Später folgten deutsche (weltliche) Lieder („Allerhand lustige Liedlein“, Hamburg 1636), geistliche Konzerte (1635 und 1646), Motetten, Passionen, Widmungs- und Huldigungskompositionen, Begräbnis- und Hochzeitsmusiken. Allein 282 Kompositionen vermachte er testamentarisch der Hamburger Stadtbibliothek (heute Staats- und Universitätsbibliothek), wo sie noch heute verwahrt werden.
Thomas Selle starb am 2. Juli 1663 in Hamburg.

 

 

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