Mein altes Hamburg

22587 Dockenhuden/Elbe 

Jan Adam Reinken

*27.04.1623 Wilshausen (Elsaß)  †24.11.1722 Hamburg

Johannes Voorhout: Häusliche Musikszene 1674 Museum für Hamburgische Geschichte.

Während eines mehrjährigen Aufenthalts in Hamburg malte der Niederländer ]ohannes Voorhout einige der angesehensten Musiker Norddeutschlands als Gruppenbildnis und Zeugnis ihrer Freundschaft. Der Mann am Cembalo - und vielleicht Auftraggeber und erster Besitzer des Gemäldes - ist der damals 51 ]ahre alte Jan Adam Reinken, Organist an St. Katharinen in Hamburg.
Neben ihm, in lauschender Haltung und mit einem Notenblatt, sitzt sein Freund Dietrich Buxtehude, seit 1668 Organist an St. Marien in Lübeck. Der Gambenspieler ganz links dürfte sehr wahrscheinlich der Komponist Johann Theile sein, der - nach längerem Aufenthalt in Lübeck -in Hamburg lebte und vornehmlich für die 1678 gegründete Oper schrieb. An der Operngründung war Reinken maßgeblich beteiligt. Der Maler selbst hat sich portraitiert in dem Herrn mit dem Federbuschhut hinter Theile.
]an Adam Reinken, geboren am 27. April 1623 in Wilshausen (Elsaß) hatte das Orgelspiel bei Heinrich Scheidemann in Hamburg gelernt und war - nach kurzer Tätigkeit in Deventer - 1669
nach Scheidemanns Tod dessen Nachfolger als Organist von St. Katharinen geworden. Er War einer der großen und einflußreichen Meister der norddeutschen Orgelmusik und gehörte zu
den bewunderten Vorbildern ]. S. Bachs, der als Schüler wiederholt von Lüneburg nach Hamburg kam, um Reinkens Spiel zu hören. Als sich Bach 1720 um den Organistenposten von St.]acobi bewarb, gab er in St. Katharinen ein zweistündiges Konzert und beeindruckte den greisen Reinken so sehr durch seine Impro-
visationskunst, daß er zu Bach sagte: „Ich dachte, diese Kunst wäre ausgestorben, 

ich sehe aber, daß sie in Ihnen noch lebt.“ ]an
Adam Reinken War ein äußerst Wohlhabender Mann, über dessen angeblich sittenlosen Lebenswandel in Hamburg einiges gemunkelt wurde. Auch das Gemälde Voorhouts deutet den Wohlstand des Musikers an: Reinken trägt einen sehr kostbaren seidenen Kimono, wie sie unter reichen Leuten damals in Mode gekommen waren. Im Hintergrund bietet ein kleiner schwarzer Diener Weintrauben an. Sich solche „Mohren“ als Domestiken zu halten, galt bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts geradezu als Statussymbol und Ausweis für Reichtum. Das Cembalo, auf dem Reinken spielt, ist ein wertvolles Instrument aus flämischer
Werkstatt. 
Das Notenblatt dokumentiert die Freundschaft Reinkens und Buxtehudes. Es enthält einen Kanon über den Text „Ecce quam bonum et quam iucundum habitare fratres in unum“ („Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen“, Psalm 133,1) mit dem Zusatz: „In honorem: Dit: Buxtehude et ]oh:Adam Reinken;fratrum.“ Dieses Notenblatt
erlaubt die Identifizierung der Dargestellten.
]an Adam Reinken starb, bis zuletzt tätig, am 24. November 1722 in Hamburg, 99 ]ahre alt. Nicht ohne Bosheit vermerkte der Hamburger Musikkritiker und Komponist Johann Mattheson
in seiner im selben ]ahr erschienenen „Critica Musica“ in Anspielung auf Reinkens Lebenswandel: „Acht Tage vor seinem Ende hat er sich mit Gott im heil. Abendmahl versöhnt.“

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