Mein altes Hamburg

Andreas Pfeiffer

22587 Dockenhuden/Elbe 

Der Verkehrspavillon der Hamburg-Amerika-Linie am Jungfernstieg

von Architekt B.D.A Richard Laage, Hamburg

Deutsche Bauzeitung 59. JG. No2 7.januar 1925

 

Abb.1 Eingang zum Pavillon

Als um 1900 der Jungfernstieg in Hamburg durch Zuschüttung eines Teiles der Binnenalster wesentlich verbreitert wurde, baute man auch gegenüber Neuerwall ein großes Rundwerk von 35 zu 40 m in die Alster hinein, das durch eine mächtige Granit-Ufermauer eingefaßt wurde. Dieses Rundwerk wurde bepflanzt und das mittlere Beet von 15m Durchmesser besonders gepflegt. Das Publikum hatte den Platz, wohl wegen der schönen Blumen, liebgewonnen, ohne ihn indessen selbst viel zu benutzen. Mit den neuen Erkenntnissen des Städtebaus erwachte aber das Gefühl, daß durch dieses Rundwerk, zusammen mit der wenig glücklichen Anlage des Landungssteges für die Alsterdampfboote, dem Wartepavillon mitten vor der Freitreppe und den Bedürfnisanstalten, die schöne Binnenalster sehr beeinträchtigt und die eigentliche Form des Binnenbeckens nur noch sehr mühsam aufrecht erhalten werde. (Vgl. Lageplan Abb. 7). Bei anderen wirtschaftlichen Verhältnissen als den heutigen würde hier wohl eine großzügige Umgestaltung Erfreuliches schaffen.

Als ich von der Hamburg-Amerika-Linie mit der Aufgabe betraut wurde, auf dem Rundwerk einen Verkehrspavillon zu bauen, vertrat ich den Standpunkt, daß der beschriebene massige Unterbau besser ein Bauwerk trüge als ein Blumenbeet, ja daß durch ein Gebäude das Rundwerk gewissermaßen nachträglich einen Zweck enthielte. Dem stimmten auch die maßgebenden Behörden zu, und somit wurde die Erlaubnis zum Bauen gegeben. (Gesamtgrundriß der Anlage in Abb. 5). Der Platz ist an die Hamburg-Amerika-Linie befristet verpachtet. Um den provisorischen Charakter des Gebäudes zu betonen, wurde als Baustoff für den allein sichtbaren Oberbau Holz gewählt (Abb. 8). Die Außenwand bis zum Kämpfergesims besteht aus Schuppenförmigen, überschobenen Füllungen von 38mm .

Stärke und einem Flächenausmaß, wie es das Holzmaterial gut erlaubt (vgl. Abb. 1 und Abb. 6). Die Außenwand oberhalb des Kampfergesimses ist als Fensterfries ausgebildet und wird durch 24 Laternen unterteilt, die Halbrund vortreten und hinter denen die tragenden Pfosten der Wandkonstruktion stehen. Die 12 hohlen Säulenschäfte sind aus je 12 Bahnen kalt verleimt. Das 34cm  hohe Hauptgesims wurde aus prächtigen Bohlen gearbeitet; es besteht aus Einzelstücken von rd. 4m Länge, die in sich verleimt, aber nur über den Säulen gestoßen sind. (Vgl. Abb. 1 und Abb. 9)

Das Dach ist über dem Innenraum, der 11,30 m Durchmesser hat, freitragend, die Sparren spannen sich zwischen einen unteren ∟- Eisenring auf dem Wandrähm und einen oberen - Eisenring. Dieser obere Ring trägt auch gleichzeitig das Oberlicht und die Konstruktion zur Befestigung der Figur. (Schnitt Abb. 2)  Das Bedachungsmaterial ist Kupfer in Stehfalzdeckung, die Figur mit Sockel ist in Kupferblech getrieben. 

 

Im Innern sind die Wände aus Schlackenplatten hergestellt und 2,15 m hoch in Holz, mit rotbraun gebeizten, gekehlten Stäben verkleidet. Wände und Dach sind mit Kieselgur isoliert. Den oberen Abschluß des Raumes bildet eine Rabitzdecke, die sich im mittleren Teil wölbt und in ein laternenartiges Staublicht von zarten Farben ausklingt. Das gesamte Holzmaterial ist beste ostpreußische Föhre, bis auf die in Eiche ausgeführten Säulenbasen und die Schwelle der Wandbekleidung. Der Überbau ist ausschließlich und so bequem wie möglich auf den Verkehr mit dem Publikum zugeschnitten (Grundriß Abb. 5). Man kann so eine Reisevorbereitung bei einem Spaziergang auf dem Jungfernstieg erledigen: Auskunft, Fahrkarten, zusammengestellte Fahrscheinhefte für alle Linien der Welt, Gepäckversicherung, Geldwechsel usw. kann man hier haben bzw. in kurzer Zeit besorgen. Für alle diese Dinge ist ein umfangreicher Verwaltungs- und Schreibapparat nötig, der sich, infolge der günstigen Beschaffenheit des Platzes, gut in einem Untergeschoß einrichten ließ (Grundriß Abb. 3). Das Gelände des Rundwerkes liegt auf +9,50 m Höhe, der höchste Wasserstand der Alster beträgt +7,00 m. Bei einer Höhenlage des Fußbodens auf + 5,80 m war eine gute Ausgestaltung möglich und auch durchführbar. Die Ufermauer wurde unter bestmöglicher Wahrung ihrer Gestalt für Fenster vollständig durchbrochen. Der ganze Unterbau ist aus Eisenbeton hergestellt und au Holzpfähle gegründet (vgl. Schnitt in Abb. 2).

Die Sohle besteht, nach Schüttung einer Magerbetonschicht aus zwei je 25 Cm starken Eisenbetonplatten; die untere ist., außerhalb der Umfassungswände, trogartig aufgebogen und bis + 7,20 'H hochgeführt. Sohle und Umfassungswände sind durch zwei Lagen bester Asphaltpappe und Goudron-Anstriche isoliert. Die Decke hat von der Mitte aus ein Gefälle von 1 :50 und ist mit Siebel‘scher Blei-Isolierung gedeckt, auf die eine Schutzschicht aus Beton aufgebracht ist. Die örtlichen Siel- Verhältnisse bedingten eine Höherlegung der Aborte. Diese Räume mußten, um Kopfhöhe zu haben, das Gelände um rd. 20 cm überragen. Die so entstandenen Ausbauten wurden zu einem, gegen das Gelände um zwei Stufen erhöhten Ruheplatz mit Bänken, im Zusammenhang mit der wieder hergestellten Randbepflanzung, ausgebildet. Sämtliche Räume werden durch Fernheizung erwärmt. Alle Arbeiten sind handwerklich gut ausgeführt. 

Künstlerische Mitarbeiter waren Kunstmaler Otto Fischer-Trachau und Bildhauer Richard Kuöhl-Hamburg. Die statischen Unterlagen lieferten die Ingenieure Dr.-Ing. Kuball & Kölling.

Vom Handwerk waren herangezogen: CL Banehr für die Tischlerarbeiten, H. Höpner für die Mauer- und Rabitzarbeit., Hammers & Co. für die Beton- und Fundierungsarbeiten, H. C. Böge & Sohn für die Zimmerarbeiten, Oldenburg & Hengstler für die Dachdeckung und sanitären Anlagen, Lehmann & Jaensch für die Lichtanlagen, Aug. Hüsing für die Malerarbeiten, Rud. Otto Meyer für die Heizung, Zachoval & Riemann für die Schlosserarbeiten, W. Kopperschmidt für die Glaserarbeiten, Consbruch für die Isolierungen, Gebr. Reichert für die Steinmetzarbeiten. Die Figur wurde bei Martin & Piltzing, Berlin, getrieben.

 

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