Mein altes Hamburg

Andreas Pfeiffer

22587 Dockenhuden/Elbe 

Ideenwettbewerb und Entwurf des Hamburger Stadtparks in Hamburg - Winterhude

Der Entwurf zur Anlage eines Stadtparkes in Winterhude bei Hamburg

Deutsche Bauzeitung XLIV. Jahrgang, no 42                                                                                           Berlin, den 25.Mai 1910 

Der Reichtum Hamburgs an Öffentlichen Parkanlagen ist nicht allzu groß. Er beschränkt sich in der Hauptsache auf die Anlagen der Sternschanze, sowie auf die zusammenhängenden Anlagen, die im Westen der Altstadt an Stelle,  der ehemaligen Wallanlagen vom Dammtor bis zum Hafentor sich erstrecken und zu welchen dasGelände des Zoologischen Gartens, des Botanischen Gartens und mehrerer Begräbnisplätze hinzutritt. Kleinere Anlagen säumen die Ufer der Außen-Alster ein, begleiten die Lombards-Brücke, setzen sich um die Kunsthalle herum fort und erstrecken sich östlich vom Kunstgewerbe-Museum. Bis zu einem gewissen Grade bilden die weitgedehnten Wasserflächen Ersatz für die mangelnden Grünflächen, aber der Ersatz ist doch nur ein bedingter. Da die öffentlichen Grünanlagen zusammen nur etwa 300 ha umfassen, so hat der hamburgische Staat bereits 1903 im Norden der Stadt, zwischen Winterhude und Barmbeck, ein etwa 130 ha großes Gelände angekauft, um dort einen eigentlichen Stadtpark anzulegen.

Das Gelände liegt günstig und schiebt sich in bereits bebaute Teile der Stadt gegen das Zentrum vor. Zur Gewinnung von Entwürfen für die Anlage des neuen Stadtparkes ist zu Beginn des Jahres 1908 ein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben worden, bei dem 64 Arbeiten einliefen.  Das Preisgericht konnte sich nicht entschließen, einen der eingelaufenen Entwürfe ohne weiteres zur Ausführung zu empfehlen, hielt aber in seiner Mehrheit den in dem mit dem Il. Preis ausgezeichneten Entwurf der Gartenarchitekten Gebr. Röthe und des Architekten W. Bungarten in Bonn enthaltenen Gedanken, das Hauptrestaurant an die Ostgrenze des Parkgeländes und an die vorzusehende Wasserfläche zu verlegen, als beachtenswert für die weitere Bearbeitung. Mit dieser wurden durch den Senat die Hrn. Ober-Ingenieur F. Sperber und Baudirektor Professor Fritz Schumacher betraut. Sie schufen den in den diesem Aufsatz beigegebenen Abbildungen dargestellten Entwurf, für dessen Ausführung der Senat von der Bürgerschaft die Summe von 7700000 M. verlangte. Die Summe wurde trotz der Ungunst der Zeiten bewilligt in der Erwägung, daß die Herstellung eines Stadtparkes von den weitesten Kreisen der Bevölkerung seit Jahren dringend gewünscht wird und daß die Freude an der Fertigstellung und der weiteren Entwicklung des Stadtparkes noch dem lebenden Geschlecht zuteil werde. 

Lageplan des zukünftigen Stadtparks

Man hofft, die Anlage bis zum ]ahre 1916 vollenden zu können. Dann wird sie, wie die Bedingungen des Wettbewerbes von dem zur Ausführung zu wählenden Entwurf erwarteten, „den Bewohnern der Stadt und ihren Besuchern die Möglichkeit eines durch die Kunst veredelten Naturgenusses verschaffen, zugleich allen Schichten der Bevölkerung gleichmäßig Gelegenheit zum Aufenthalt und zur Bewegung in freier Luft bieten, und dadurch zu einer für ]ung und Alt, für Arm und Reich gemeinsamen Stätte der Erholung werden“.

 

Was die Gesichtspunkte für die Bearbeitung des Entwurfes im Einzelnen anbelangt, so ist derselbe unter Beachtung derVorschriften aufgestellt worden,welche dem Wettbewerb für die Behandlung des Geländes beigegeben waren. Dabei sind Anregungen benutzt worden, die sich aus der natürlichen Art des Parkgeländes von selbst ergaben. Ueber die Gesichtspunkte des Entwurfes entnehmen wir einer an die Bürgerschaft gerichteten Denkschrift Folgendes:

Um an Kosten für Erdarbeiten zu sparen, mußte der Parksee in der tiefsten Fläche des Geländes, in der Südostecke desselben, eingebettet werden. Bei der wünschenswerten unmittelbaren Verbindung des Sees mit dem Hauptrestaurant war es zweckmässig, auch dieses in die Südostecke des Parkgeländes zu verlegen. Diese an sich gegebenen Verhältnisse, welche im Wettbewerb fast nirgends beachtet waren, haben im Entwurf zu einer überaus malerischen Gesamtanordnung des Hauptrestaurants mit dem See geführt und es ist gelungen, von den weiträumigen Terrassen des Haupt-Restaurants aus eine Weite, ruhige Perspektive aufwärts über den See und die

Der Stadtpark aus der Vogelschau

sanft ansteigenden, sonnigen Wiesenflächen durch den das Parkgelände krönenden Wald hindurch bis zu dem hochragenden Wasserturm zu schaffen. Damit war aber auch das Rückgrat für die ganze Parkanlage, die große 1400m lange Hauptachse, gefunden, von welcher ausgehend nun das Gelände gegliedert werden könnte. Neben der durch die Natur gegebenen Lage des Hauptrestaurants in der Südostecke des Parkgeländes waren auch die Verkehrs - Beziehungen zu dieser Stelle für die Wahl des Platzes maßgebend. Die Haltestelle „Flur-Straße“ der Stadt- und Vorortbahn, die zukünftige Haltestelle „Feldweg 64“ der Blankenese-Ohlsdorfer Bahn ermöglichen bei ihrer unmittelbaren Nähe zum 

Hauptrestaurant eine mühelose und schnelle Beförderung der Parkbesucher, was besonders für den Abendbesuch und bei eintretendem schlechten Wetter von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist. Durch den am Hauptrestaurant vorüberführenden Osterbeck-Kanal ist ferner einem beliebten Beförderungsmittel der Weg geöffnet und die mit den stark bevölkerten Stadtteilen Barmbeck, Eilbeck in unmittelbare Verbindung gebrachte, am Hauptrestaurant vorüberführende Flurstraße bildet ein weiteres Glied in der Kette der Verkehrsmöglichkeiten.

Um vom Hauptrestaurant aus über die Kuppe der hügeligen Erhebung, die in das Stadtparkgelände hereinragt, hinweg den Wasserturm noch voll sehen zu können, mußte die Lage des Hauptrestaurants sehr nahe an die Parkgrenze geschoben werden. Dadurch tritt es in unmittelbare Beziehung zur Anlage der Eingangsbrücke über den verlängerten Goldbeck-Kanal und dessen Ufermauergestaltung. Die Ufermauer ist am Kopf der Brücke platzartig herausgeschwungen, wodurch sich die Möglichkeit ergibt, die Ankunfts- und die Abfahrtsstellen der im Kanal verkehrenden Dampfboote mit ihren Treppen und Unterkunftshallen mit dieser Architektur zu verbinden. Der Kanal ist hier so gestaltet, daß das Dampfboot ungehindert zu wenden vermag. Das Hauptrestaurant zeigt an der dieser Brücke zugekehrten Rückseite zwei Höfe mit Wagenremisen und dazwischen den Haupteingang, von dem aus rechts und links geschwungene Garderobengalerien zu den Sälen führen, welche die ganze Front zum See heraus einnehmen. Die drei mittleren dieser Säle vereinigen sich zu einem großen Konzertsaal. Vor den Sälen führt ein System von Terrassen zur großen, weich geschwungenen Freitreppe am See heraus. Diese Terrassen sind umgeben von einer einseitig verglasten Säulenhalle, um Winde von den im Freien Sitzenden möglichst fern zu halten. Das Stück See, das sich an dieses Hauptrestaurant anschließt, zeigt an seinen seitlichen Ufern eine strenge Terrassierung, die gewonnen wird aus dem Umstande, daß das Ufergelände etwa 3,40m über dem Wasserspiegel (Alsterspiegel) liegt. Dadurch ergeben sich an diesen Ufern Wege in verschiedener Höhenlage und eine Art natürliche Tribüne entsteht, die bei den festlichen Sommer- und Winterveranstaltungen, welche auf diesem See zu erwarten sind, eine bequeme und festliche Verteilung der Besucher bewirkt. Dann erweitert "sich" der See zu einem

Gesamtansicht des Hauptrestaurants. Architekt : Baudirektor Professor Fritz Schumacher in Hamburg

 

 

 

freien, nicht mehr ummauerten, von einem Fußweg umzogenen Becken, dessen achsiale Punkte allein stärker betont sind. Geradeaus vom Hauptrestaurant erstreckt sich die große zum Wasserturm führende Achse. Am See ist der Punkt dieser Achse dadurch betont, daß hier durch eine Kaskadenanlage das von dem Wasserturm abfließende Wasser, das teils als geschlängelter Bach, teils als festgefaßter Kanal bis hierher geführt ist, in den See herüberströmt. Rechts und links von dieser Kaskade führen Treppen zu dem hochliegenden Fahrweg, der hier den Park durchquert.  An der Nordostseite des Sees ist eine kleine Insel dem Ufer vorgelagert, um das an dieser Stelle etwas schmal werdende Baugelände zu verbreitern. Ein Bootsvermietungshaus ist auf ihr geplant, das hinter gleichmäßig gepflanzten Pappeln liegt. Die Südostseite des Sees wird dagegen beherrscht von dem im Programm verlangten Café, das in einem kleinen, durch Treppen mit der Café-Terrasse verbundenen Hafen liegt, der ebenfalls von bedeckten Gängen umschlossen ist. Das Café zeigt seiner Bausumme entsprechend nur einen bescheidenen Hauptraum und entsprechende Wirtschaftsräume. Nach rückwärts ist sein Dach tief herherabgezogen, so daß der Eindruck eines ländlichen Gutsschlößchens entsteht. Hier schließt sich ein Stück stilisierter Garten an das Gebäude an. Dieser stilisierte Garten ist ein Teil einer ganzen Reihe in festen Linien angelegter Gärten, die seitlich zwischen dem Hauptrestaurant und dem Café in geschlossenem Zuge angeordnet sind und hier die Möglichkeit ergeben, verfeinerte Pflanzenwirkungen, unter Umständen im Verein mit Kunstwerken, zu erzielen. Diese hier geschilderten, architektonisch behandelten Anlagen, zu denen auch noch der große Sprunggarten gehört, der von einer Promenade seitlich umgeben ist und in Verbindung steht mit den Hauptzügen der Allee, nehmen etwa das erste Drittel des Parkgeländes ein und zwar den Teil,der am niedrigsten liegt und fast eben ist. In dem zweiten Drittel beginnt die hügelige Erhebung, die bis zum Standort des Wasserturmes um etwa 16 m ansteigt. Sie ist im wesentlichen als mächtige, grüne, von Baumgruppen umgebene Wiese belassen, die als Lagerplatz dem Besucher freigegeben werden soll. Am Rande dieser Wiese liegt einerseits das ländliche Restaurant, das anknüpft an den Typus des niedersächsischen Hauses mit tief herabgezogenem Dachund mächtiger Diele, aber von diesem Typus ausgehend mehr im Charakter eines behaglichen Landsitzes entwickelt ist. An der anderen Seite liegt zwischen Bäumen gelagert die im Programm vorgesehene Milchwirtschaft, die ganz im Charakter eines Vierländer Gehöftes gedacht ist. Vor das große Haupthaus lagern sich um einen Hof zwei kleinere Bauten, in denen einerseits der Stall, anderseits die Wirtschaftsgebäude untergebracht werden sollen. Das letzte Drittel des Geländes zeigt bereits jetzt einen dichten Gehölzbestand. Dieser soll im wesentlichen erhalten bleiben, nur in der Mitte schiebt sich die große Achsenanlage des Wasserturmes ein und am Rande schließen sich einige kleine, streng durchgebildete Punkte an, so z. B. die Trinkhallenanlage, die aus einem kleinen Brunnenpavillon besteht, dem ein Stück stilisierten Gartengeländes mit Promenade und Bänken angefügt ist. Ferner der Platz an der Einmündung der Maria Louisen-Straße in den Park, der flankiert ist durch Wandelhallen, die in diesem von Gebäuden mehr entblößten Teil des Parkes den Besuchern Unterkunft geben sollen bei plötzlichem Unwetter. Rings um den Park sind zehn Spiel- und Sport- Plätze verteilt, von denen einige die zu geregelten Sportspielen ausreichenden Größen aufweisen. Die Wirtschaftshöfe sind auf den Umfang des Parkgeländes zerstreut und die Gärtnerei ist in einem Geländezwickel am Goldbeck-Kanal untergebracht.

Eingang zum Stadtpark mit Haltestelle der Dampfschiffe. Architekt: Baudirektor Professor Fritz Schumacher in Hamburg

Ideenwettbewerb für einen Stadtpark in Hamburg

Das der Stadtpark hätte auch anders aussehen können, zeigt uns der Ideenwettbewerb von 1908. In der DEUTSCHEN BAUZEITUNG No 62 & 66 vom 1.08. sowie vom 15.08.1908 wurden diverse Ideen veröffentlicht. Wir wollen diese Ideen an dieser Stelle nicht vorenthalten, ebensowenig wie die dazugehörigen Berichte.  

Nachdem das Preisgericht für den von Senat und Bürgerschaft in Hamburg ausgeschriebenen Ideen Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für einen Stadtpark in Hamburg seine Entscheidung getroffen hat, erscheint es von Interesse für die Fachwelt, die in manchen Beziehungen beachtenswerten Ergebnisse kurz darzustellen. Nach den Bestimmungen des Wettbewerbes will Hamburg einen für alle Schichten der Bevölkerung bestimmten Stadtpark auf dem in Abbildg. 1 dunkel hervorgehobenen 178 ha großen Staatsgrund am Rande der nach Norden sich stark ausdehnenden Bebauung schaffen. Die Stadt- und Vorortbahnen im Osten und Süden, eine geplante Güterbahn im Norden und die Bebauung im Westen umschließen das Gelände; die Maria-Louisen-Straße im Westen, die Flur-Straße im Osten und der Borgweg zwischen beiden bilden die Hauptverbindung mit den bebauten Zentren, der eigentlichen Stadt im Süden und den Villenquartieren im Westen (Abbildg.2). Ein erst neuerdings in sorgfältige Pflege genommenes, Gehölz mit etwa 20jährigem Bestande krönt sie Höhe westlich des Borgweges; von hier fällt das Gelände sanft nach Osten um etwa 16 m ab. Nach den Prorammbedingungen war außerdem passend einzuführen den Hauptzugangsstraßen eine Corso-Straße um das Parkgelände herumzuführen, die an der Außenseite mit Einzelhäusern bebaut werden soll. Eine größere Teichanlage für den Ruderboot-Verkehr war in einer Verbindung mit der Alster so anzulegen, daß der auf dem Verbindungskanal durchzuführende Lastschiff-Verkehr den Teich und den Park möglichst wenig beeinträchtigt.

Von wesentlichem Einfluß auf die Gestaltung der ganzen Parkanlage war die erst in einem späteren Stadium dieser Angelegenheit in den Wettbewerb aufgenommene Vorschrift, daß der aus einem früheren Wettbewerb hervorgangene, etwa 50 m hohe, in massigen Formen geplante

Wasserturm der staatlichen Wasserversorgung mit einer Kaskaden- und Beckenanlage „annähernd auf dem höchsten Punkt des Geländes, etwa in der Achse der Busse-Straße“ erbaut und mit seiner Front „ungefähr gegen Südosten auf den projektierten Bahnhof Flur-Straße der Stadt- und Vorortbahn“ gerichtet werden soll.Eine weitere Programmvorschrift verlangte die Anlage von Baulichkeiten im Gesamtwerte von 760000 M., u. a. eines Hauptrestaurants (500000 M.), eines Cafés (120000 M.) usw. Hiernach war von vornherein ein Zusammenwirken des Garteningenieurs mit dem Architekten geboten, wobei sich die Bedeutung des letzteren wegen der großen Ausdehnung des Parkgeländes naturgemäß weniger auf die Durchbildung der Baulichkeiten, als auf ihre Anordnung in der Gesamtanlage erstrecken mußte. Die Entwürfe weisen denn auch ihre charakteristischen Unterschiede, abgesehen von der Art ihrer Behandlung, in mehr und weniger gelungener architektonischer oder landschaftlicher Weise wesentlich in der Anordnung der Baulichkeiten und der mit ihnen verbundenen Hauptparkachsen auf, wie die unten folgende Behandlung einiger Arbeiten zeigen wird.  Alles in allem handelte es sich um eine schwierige und interessante Aufgabe, die in der verhältnismäßig kurzen Zeit von 4 Monaten in für den Garteningenieur ungünstig gelegener Frühjahrsperiode zu lösen war. Trotzdem ist die immerhin ansehnliche Anzahl von 66 Entwürfen mit zum Teil wertvollen Anregungen - an einigen Stellen auch mit unfreiwilligem Humor, der z. B. Gebirge nach Art der sächsischen Schweiz auftürmen möchte - eingegangen. Leider mußte von der Erteilung eines I. Preises abgesehen werden; aus ihm wurden ein dritter II. (6000 M.) Preis und ein dritter III. (4ooo M.) Preis gebildet. Wir wollen nachstehend einige der 6 preisgekrönten und der 3 angekauften Entwürfe kurz behandeln.

 

1. „Elbau“ (Verfasser: Architekten P. Recht und P. Bachmann, Gartenarchitekt H. Foeth in Cöln); ein II. Preis (Abbildgn. 3-5). Während bei der Ausschreibung die Absicht vorherrschte, eine große Achse vom Wasserturm nach der Südostgrenze in ganzer Längsausdehnung des Parkes zu schaffen, verfolgt dieser Entwurf den auch bei anderen Arbeiten wiederkehrenden guten Gedanken, zwei am südlichen Parkrande annähernd in der Mitte der Längsausdehnung sich schneidende Achsen zu bilden und in diesen Schnittpunkt das Hauptrestaurant zu verlegen. Diese Anordnung bietet den Vorzug, daß ein kräftig betonter Mittelpunkt mit weiten perspektivischen Ausblicken geschaffen wird. Von dem Hauptgebäude und den sich anschließenden Terrassen sieht der Besucher des Parkes nach Nordwesten, über eine rechteckige Teichanlage und eine breite Waldpromenade hinweg, den aus dem Walddunkel sich erhebenden Wasserturm; in starker Gegenwirkung hierzu öffnet sich nach Nordosten durch eine mit niedriger Bepflanzung betonte Achse ein Ausblick auf das terrassenförmig über den See sich erhebende Caféhaus, während genau nordwärts die verlangte ländliche Wirtschaft die weiten Wiesenflächen abschließt. Waldartige Umrahmungen der Wiesen und abwechselungsreiche Bepflanzungen bei den Baulichkeiten - Platanen auf der Terrasse des Hauptrestaurants, Linden und Pappeln am Café, helle Birken mit vorgelagerten dunklen Rotbuchen bei der ländlichen Wirtschaft - sollen die Gegenwirkungen erhöhen.

Der Entwurf zeichnet sich durch eine klare und übersichtliche Anordnung und vornehme Haltung aus, die sich auch in der Ausbildung der in schlichtem klassizistischem Geschmack entworfenen Baulichkeiten ausprägt. Ein Vorzug des Entwurfes sind dabei die zentrale Lage des Hauptrestaurants in nächster Nähe der Station Borgweg und die vorzügliche und wohltuende Orientierung, die sich dem hier den Park betretenden Besucher sogleich über die ganze ausgedehnte Anlage bietet. Zweckmäßig ist auch die Umleitung des Lastschiff-Verkehrs durch einen besonderen Kanal an der Südostgrenze des Parkgeländes. Etwas störend erscheint die Lage des Cafés für den Ausblick vom Hauptrestaurant nach dem See; man würde das Caféhaus wohl besser an die östliche Seeseite verlegen.

 

2. „Aap“ (Verfasser: Gartenarchitekten Gebr. Röthe und Architekt W. Bungarten, beide in Bonn) ein II. Preis (Abbildung 6). Der Entwurf zeigt eine über fast die ganze Parklänge sich ausdehnende Achse vom Wasserturm nach dem Hauptrestaurant in der Südostecke des Parkgeländes. Von der Terrasse des Restaurants bieten sich daher weite Ausblicke aufwärts über den See, eine große Volkswiese hinweg auf den Wald und den ihn überragenden Turm.

Bei der Bodenerhebung an der Südostseite des Borgweges wird man allerdings von letzterem erst den Fußpunkt des Turmes sehen können.

Wenn auch das Restaurant von dem vornehmeren Westen etwas entfernt liegt, so erscheint die gewählte Lage doch günstig, weil sie eine dem den Wassersport liebenden Hamburger sehr sympathische Verbindung mit dem See ermöglicht und gleichzeitig für den Verkehr von der Station der Vorortebahn an der Flurstraße und den besonders volkreichen Stadtteilen Barmbeck usw. im Süden recht bequem ist. Das letztere ist von Bedeutung, da es sich nicht um ein feines Restaurant für die besseren Schichten, sondern um eine auch für die mittleren Volksklassen geeignete Lokalität mit einem größeren Konzertsaal für populäre musikalische Veranstaltungen, Bierkonzerte usw. handelt. Die Verfasser haben besonderen Wert auf gute Verbindungen nach dem Park und innerhalb desselben gelegt, wie die gute Durchführung der Maria-Louisenstraße und eine außer der Ringstraße angelegte Fahrstraße -mehr im Inneren des Parkes zeigen. Folgt man letzterer Straße, so erreicht man in der Nordostecke das Café, am Borgweg -die ländliche Wirtschaft - beide etwas weit an den Rand des Parkes geschoben. An dem Uebergang der Maria-Louisenstraße ist im Waldesinneren die Milchwirtschaft untergebracht. Die Fahrstraßen scheinen etwas reichlich vorhanden zu sein. Nicht zweckmäßig ist die Führung des Lastschiff- Kanales an der Nordseite des Teiches, da der Lastverkehr zu sehr sichtbar wird; auch reicht die Verbindung vom See mit dem Kanal für den Bootsverkehr nicht aus.

 

3. „Suum cuique“ (Verfasser: Gartenarchitekt Paul Freye in Charlottenburg und Herm und Reuter in Stelitz); ein II.    Preis. Der Entwurf weist eine ähnliche Anordnung der Achsen wie der Entwurf „Elbau“ auf und bedarf daher trotz  seiner vielfachen Vorzüge einer besonderen Darstellung nicht. Er unterscheidet sich von „Elbau“ dadurch, daß Restaurant und Café zusammen mit dem Musik- Pavillon auf einer gemeinsamen Terrasse am südlichen Teil des Borgweges angeordnet sind.

 

3.  Typ“ (Verfasser: Garteningenieur J. P. Großmann in Leipzig-Dresden); ein III. Preis (Abbildgn. 7-9).

Der sehr eigenartige Grundgedanke des Entwurfes liegt in der bewußten scharfen und klaren Ausprägung zweier sich rechtwinklig schneidenden großen Hauptachsen, die ihren monumentalen Abschluß durch das auf einer Insel im See aufgebaute Hauptrestaurant mit anschließendem Konzertgarten und einer tieferen Blumenterrasse finden (Abbildg. 7). Der nordwestliche Hauptzug Wasserturm- Restaurant erscheint allerdings in seiner westöstlichen Lage dem Verkehr von den Stationen der Vorortebahn zu sehr entrückt. Vor dem mit Platanenreihen umrahmten Wasserturm schließt sich an die mit demselben zusammenhängende Kaskade ein Wasserbecken an; von weiteren Kaskaden ist wegen der Kosten abgesehen und nur bei der Einmündung in den Teich ist gegenüber dem Hauptrestaurant eine solche vorgesehen (Abbildg. 9). Das auf einer 5-6m hohen Aussichtsterrasse mit vorgelagertem reichen Blumengarten (Abbildg. 8) am Borgweg angelegte Cafe' ist durch einen regelmäßig gehaltenen Garten mit der nahen Haltestelle der Vorortbahn am Borgweg verbunden und bietet einen westlichen Durchblick über eine zum Fußballspiel bestimmte Waldlichtung auf die ländliche Wirtschaft und nach Osten über die als Tummelplatz gedachte, mit hainartigen Beständen umrahmte Wiesenfläche. Die ebenso wie der gärtnerische Teil in bestechender reizvoller Weise dargestellte Architektur der Bauten paßt sich der Landschaft gut an. Nachteilig ist aber die starke

Durchquerung des Parkes mit Straßen, auch erscheinen die Wegeíührungen etwas steif.

 

Entwurf mit dem Kennwort "Geest". Verfasser: Baumeister Martin MAYER, unter Mitarbeit von Regierungsbaumeister R.Elkart und Architekt O.Wilkenung, alle aus Hamburg

Die Idee mit dem Motto„Geest“ (Verfasser: Bmstr. Martin Mayer, unter Mitarbeit von Reg.-Bmstr. R.Elkart und Arch. O. Wilkening, alle aus Hamburg); wurde mit dem III. Preis ausgezeichneit.

Der Entwurf zeichnet sich besonders durch eine große zentrale Hauptachse aus; an ihrem westlichen Ende erhebt sich der Wasserturm, im Osten liegt das Hauptrestaurant an der Flur-Straße und einer von ihr abzweigenden Straße, durch breite Terrassenanlagen mit dem langgestreckten, symmetrisch ausgebildeten See verbunden.

Die Hauptachse ist in ganzer Ausdehnung mit Ziergewässern, architektonisch strengen Becken, Gräben usw. ausgestattet gedacht, die sich ım Westen an die Kaskaden des Wasserturmes anschließen und im Osten breit in den See einmünden.  Der Kreuzungspunkt einer durch das Caféhaus und die Brunnenhalle auf einem künstlichen Hügel gebildeten Querachse mit der Hauptachse ist als größerer Schmuckplatz mit gesteigertem gärtnerischen Aufwand und eventuell plastischem Schmuck ausgebildet; reicherer Blumenschmuck soll auch in der abgeschlossenen, regelmäßig gestalteten Gartenanlage zur Geltung kommen, die vom Haupteingang an der Flur-Straße bis zum Hauptrestaurant zwischen den beiden Armen der Flur-Straße eingebettet ist. Um den Wasserturm bereits an diesem Haupteingang sichtbar zu machen, haben die Verfasser einen breiten, keilíörmigen Einschnitt in den vorhandenen Waldbestand vorgesehen; auch südlich des Wasserturmes soll eine Ausholzung stattfinden, um vom Fuße des Turmes einen Ausblick auf die Stadt und die Alster zu ermöglichen.  Die Lage des Hauptrestaurants hat, wie bei dem Entwurf „Typ“, den Nachteil, daß es den westlichen Winden und der Nachmittagssonne ausgesetzt ist und bei der Lage des Caféhauses wird man weitere landschaftliche Ausblicke entbehren müssen. Die etwas reichliche Anordnung der Spielplätze an einigen Stellen der Ringstraße ist insofern etwas ungünstig, als sie einen Einblick in den Park nicht gestattet. Die Ziergewässer in der Hauptachse würden bei regelmäßigem Betriebe etwas zu weitgehende wirtschaftliche Anforderungen stellen.

 

Entwurf mit dem Kennwort "Freiluft": Verfasser: Architekt Franz ROECKLE und Garten-Architekt CARL SCHWEDER, Stuttgart

Der Entwurf mit dem Kennwort „Freiluft“ (Verfasser Arch. Franz Roeckle und Gartenarch. Carl Schweder, beide in Stuttgart); ein III. Preis. Der Entwurf wird, ähnlich wie die Entwürfe „Elbau“ und „Saum cuique“, durch zwei sich annähernd senkrecht kreuzende Achsen charakterisiert, wobei aber der platzartige Kreuzungspunkt für den Verkehr ungünstig zerteilt wird und eine ruhige Betrachtung der beabsichtigten großen perspektivischen Durchblicke nicht gestattet.

Das Café liegt idyllisch auf einer Insel im See und soll von seinen Terrassen einen guten Blick auf das Restaurationsgebäude und den See bieten. Die ländliche Wirtschaft ist am Nordende des Borgweges in naher Verbindung mit der Volksspielwiese, die Milchwirtschaft weiter südlich am Borgweg in enger Verbindung mit dem Kinder- Spielplatz untergebracht. Der in seiner gewundenen Form den Zwecken des Sportes nicht besonders gut entsprechende See ist etwas reichlich westlich gerückt, so daß er tief in das Gelände schneidet und das Ufer teilweise dem Blick von Westen entzieht. Der Entwurf zeichnet sich durch die reizvollen malerischen Wirkungen aus, die in entsprechenden Skizzen veranschaulicht sind.

 

Kennwort "Freiluft", Detailentwurf

Der Entwurf mit dem Kennwort: „ Hamburgs Bürgern“ (Verfasser: Stadtgartendir. G. Kuphaldt und Arch. E-. Friesendorff in Riga); zum Ankauf empfohlen. Der Entwurf weist eine große, westöstlich gerichtete Achse mit einer ausgedehnten Terrassen-Anlage auf, die das östlich vom Borgweg angeordnete und in günstige Verbindung mit den Zufahrtstraßen gebrachte Hauptrestaurant in gute

Beziehung mit dem See setzt. Die Verfasser haben scheinbar, wie viele andere Bewerber, empfunden, daß der dem Parkorganismus eigentlich fremde Wasserturm seiner ganzen Bedeutung nach nicht in eine kilometerweite großzügige Perspektive gehört; sie haben deshalb den Wasserturm in einer die Hauptachse schneidenden südöstlich gerichten Nebenachse angelegt und am Schnittpunkt der Achsen und der verlängerten Maria-Louisen- Straße ein mit Fontaine 'geschmücktes Rondell vorgesehen. Von hier bietet sich eine immerhin wirkungsvolle Perspektive durch den Wald auf den massigen Wasserturm. Bezüglich der Lage der Gebäude ist zu bemerken, daß das Caféhaus in einem kleinen Dreieck an der Südwestseite des Borgweges zu isoliert und das Haupt - Restaurant dem Verkehr etwas entrückt erscheint.

 

Entwurf mit dem Kennwort "Der Vaterstadt". Verfasser: W.PETSCHOW, Hamburg

Der Vaterstadt“ (Verfasser: W. Petschow , Hamburg) genannte Entwurf wird zum Ankauf empfohlen.Der Entwurf zeigt eine ähnliche Achsenbildung, wie der vorbehandelte; doch ist der Turm in noch geringerem Maße betont und an eine kürzere, auf ein großes Wasserbecken im Walde geführte Achse gelegt. Die Hauptachse ist in guter Weise kräftig und breit ausgebildet, doch erscheint die Anlage einer tief in das Gelände eingeschnittenen Spielwiese hier nicht recht angebracht. Der Entwurf hat im übrigen manche landschaftlichen Reize.

 

Entwurf mit dem Kennzeichen eines Pfauen (Verfasser: Prof. Max Länger in Karlsruhe) wird zum Ankauf empfohlen. Der Entwurf ist wegen seiner streng durch geführten zentralen Achse Wasserturm - Hauptrestaurant und wegen der durchgeführten Querteilung des Geländes von weitestgehendem Interesse wenn er auch für den beabsichtigten Zweck eines für alle Kreise der Bevölkerung bestimmten Parkes nicht in Betracht kommen wird. Der hochgelegene westliche Waldteil mit dem Wasserturm als Kopf der Anlage soll dem Aufenthalt der Jugend dienen und weist daher die Milchwirtschaft und die Kinderspielplätze auf; er wird von dem östlich anschließenden Teil naturgemäß durch die vor dem Wasserturm vorüberführende Fortsetzung der Maria-Louisen-Straße -getrennt. An diese Allee schließt sich nach Osten ein vorgelagerter Terrassengarten als ruhigster und vornehmster Teil der Anlage an. Als dritter Teil folgt nach Osten die durch den Wald umrahmte große Rasenfläche mit umgebenden, durch Schmuckalleen getrennten Spielplätzen. Im vierten, tiefsten Teil der Anlage folgt endlich der regelmäßig ausgebildete See mit dem Hauptrestaurant in der Hauptachse und dem Café an einer Querachse des Sees. Reizvolle Einzelheiten erläutern die Absichten des Verfassers.

Fazit:

 

Wenn man das Ergebnis aus den geschilderten preisgekrönten Arbeiten zieht, so wird man als ihren gemeinsamen Vorzug neben ihren vielfachen sonstigen künstlerischen Eigenschaften die klare Ausprägung großer Achsen und die übersichtliche Disposition der Anlagen hervorheben müssen. Die Erfüllung dieser Forderungen mußte bei der gewaltigen Ausdehnung des ziemlich 2km langen Parkgeländes von ausschlaggebender Bedeutung sein und hat zweifellos das Preisgericht bei der Bewertung der Entwürfe in erster Linie geleitet. Die rein architektonischen Leistungen treten dagegen zurück. Es erscheint daher recht fraglich, ob die bei Entstehung der Ausschreibungs-Bedingungen vielfach umstrittene Forderung nach Lieferung von Skizzen 1 : 200 für die Grundrisse und Ansichten der in ihrem Programm nicht festgelegten Baulichkeiten zweckmäßig war, und es muß bedauert werden, daß viele Bewerber in dieser Beziehung noch über die Programm-Forderungen hinausgegangen sind und eingehend bearbeitete Entwürfe für die Gebäude geliefert haben. Wie man annehmen darf, lag den architektonischen Forderungen des Ideen-Wettbewerbes die Absicht zugrunde, den neueren Anschauungen gemäß die erzieherische Mitarbeit des raumbildenden Künstlers für die Gartengestaltung zu gewinnen; seinen Einfluß wird man auch in der vielfach glücklichen Anlage der Baulichkeiten, in der Durchführung großer Hauptachsen mit weiten Perspektiven und in der Vermeidung der früher so beliebten romantischen Spielereien erkennen können. Anderseits aber zeigen die Entwürfe die soweit sie beachtenswert sind, fast sämtlich weder der einen noch der anderen der sich heute bekämpfenden Richtungen ausschließlich angehören, daß die vorliegende Aufgabe kein geeignetes Objekt bot für den Kampf zwischen den leider durch die Schlagwörter „architektonisch“ und „landschaftlich“ getrennten Anschauungen in der Gartengestaltung.

Man wird hier, unabhängig von diesem Kampfe, die einheitlichste und künstlerischste Lösung, die der Zweckbestimmung und der Geländegestaltung des Parkes am besten Rechnung trägt, ausführen müssen. Bedauern wird jeder, daß ein I. Preis nicht erteilt, ein ohne weiteres zur Ausführung geeigneter Entwurf nicht gewonnen ist. Trotzdem sind aber die Arbeiten und die Opfer nicht vergeblich gewesen, da sie eine Klärung der maßgebenden Ideen für die weitere Bearbeitung gegeben haben. Für letztere wird man zunächst eine Entscheidung über die Lage der Parkachsen treffen müssen, wobei die Lösungen der Entwürfe „Elbau“ (wie auch „Saum cuique“ und „Freiluft“) und „Aap“ in einen nicht leicht zu lösenden Wettstreit miteinander treten.

Der Hamburgische Staat hat durch den Ideen-Wettbewerb und außerdem durch die Bereitstellung des wertvollen, für etwa 3 Millionen Mark angekauften Geländes gezeigt, daß er auch größere Opfer nicht scheut, um einen seiner würdigen Stadtpark zu gewinnen. Wir wollen hoffen, daß diese Opfer und die weiteren bei der Ausführung entstehenden erheblichen Kosten von etwa 3, 5 Mill. Mark, ohne die Baulichkeiten, durch Gewinnung eines vollwertigen, in künstlerischer Arbeit unter Benutzung der Ergebnisse des Wettbewerbes ausgereiften Planes belohnt werden. 

 

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